Khoron: Die Welt Khoron

Erwachen und Schöpfung | Das Zeitalter des Krieges | Der Aufstieg der Druiden
Die Rache der Götter | Ruhe vor dem Sturm | Das Zeitalter der Drachen

KHORON ist eine fremdartige, geheimnisvolle Welt mit einer reichhaltigen Geschichte.

Erwachen und Schöpfung

In den heiligen Chroniken der Kleriker ist die Entstehung Khorons bruchstückhaft beschrieben:

“Das Große Auge öffnete sich und was es erblickte wurde Wirklichkeit. Und es sah die Brüder – Azarion und Zaruthes. Es sah Azarions Güte und Unschuld. Es sah Zaruthes’ Gier und Herrschsucht. Es sah wie der Krieg der Brüder begann.

Ihre Hiebe erschütterten das Gefüge des Nichts und die Schreie der Kämpfenden hallten durch die Dimensionen. Mit scharfen Klauen schlug Zaruthes seinem Bruder eine klaffende Wunde. Außer sich vor Zorn und Schmerz packte Azarion den Kopf seines Bruders und blendete ihn. Als Azarion sah was er getan hatte, floh er in die Weiten des Nichts und lies seinen blinden Bruder zurück.

Das Große Auge sah fünf Tropfen Blut, welches die Titanen in ihrem Kampf vergossen hatten. Es sah, wie aus dem Blut der Brüder fünf Wesen erwuchsen – Verschieden in Erscheinung und Gesinnung, aber doch gleich. Es sah die Fünf und gab ihnen Namen: Hecas, Jelepah, Argon, Sarestra und Chaos.

Äonen vergingen in denen die Fünf vom Schlachtfeld ihrer Väter flohen. Und je weiter sie sich davon entfernten, desto größer wurden ihre Ambitionen – Ihr Verlangen selbst zu herrschen und zu erschaffen. Und so erblickte das Große Auge die Welt Khoron.”

Die Chroniken berichten auch vom Entstehen der verschiedenen Völker:

“Argon, der Gott des Krieges und der Schmiedekunst, schuf die Dämonen – Geborene Krieger, ebenso stark im Kampf wie in der Magie.

Jelepah, die Göttin der Intrige und des Handels, schuf die Elfen – Schön und unsterblich, sowie listig und verschlagen.

Hecas, der Gott des Lebens und der Heilkunst, schuf die Engel – Mächtige und makellose Wesen, geschaffen um die Welt vor Bösem zu bewahren.

Sarestra, die Göttin der Freude und der Gerechtigkeit, schuf die Kleinlinge – Neugierig, offenherzig und unbeirrbar.

Chaos schuf ihre Kinder, die Drachen, nach ihrem eigenen Abbild und beseelte sie mit den unterschiedlichen Facetten ihres zerrissenen Geistes.

Und die jungen Völker huldigten den Göttern und begannen die Welt nach ihren Wünschen zu gestalten.”


Das Zeitalter des Krieges

Gemäß den Idealen Ihres Vaters Argon begannen die Dämonen die noch junge Welt mit Krieg zu überziehen. Mit Stahl und Magie kämpften sie gegen jeden, der ihren Weg kreuzte. Nur um des Krieges willen mordeten und brandschatzten sie. Und zurück blieb nichts als verbrannte Erde.

Kein Gegner schien den Dämonen trotzen zu können, bis die Heere der Engel sich ihnen in den Weg stellten. Auf zahlreichen Fronten wurden erbitterte Schlachten geschlagen und beide Parteien schienen einander ebenbürtig zu sein. Hundert Jahre dauerten die Kämpfe an, ohne dass jemand die Oberhand gewinnen konnte. Die Kriegsfronten teilten das Land und die zahllosen Schlachten verwüsteten Khoron.

Weitere hundert Jahre vergingen in dem sich Engel und Dämonen im Namen Ihrer Götter bekriegten. Not und Leid wurden immer größer und der andauernde Konflikt drohte die Welt zu vernichten. Die Götter erkannten, dass Engel und Dämonen niemals Frieden finden würden, da beide Völker zu unterschiedlich waren – Zwei Extreme des gleichen Prinzips. Hecas und Argon entschieden die Kämpfenden zu trennen, damit Khoron heilen und sich die anderen Völker ungehindert entwickeln konnten. Engel und Dämonen wurden in zwei verschiedene Dimensionen verbannt, die neben Khoron existierten und heute als “Himmel” und “Hölle” bekannt sind.

Doch die Dämonen fanden neue Gegner. Zu spät erkannten die Götter, dass die Hölle bereits bevölkert war. Die dort heimischen Völker hatten den Dämonen nichts entgegen zu setzen und fielen der blutrünstigen Horde scharenweise zum Opfer. Noch bevor Hecas und Argon einschreiten konnten war die Hölle fast vollständig von den Dämonen überrannt worden. Die Götter holten die verbliebenen Überlebenden nach Khoron, so dass in der Hölle nur die Dämonen zurück blieben. Es ist heute nicht mehr im Detail feststellbar welche Wesen dabei nach Khoron gelangt sind. Aber zwei dieser überlebenden Völker waren die Menschen und die Orks. Vor allem die Menschen haben die Geschichte Khorons stark geprägt in dem sie die Psionischen Künste und das Druidentum aus ihrer Heimat mitbrachten.

In der Zeit nach dem Krieg sahen sich Kleinlinge, Elfen und Drachen einer veränderten Welt gegenüber. Durch die plötzliche Abwesenheit der bisher dominanten Mächte und die Ankunft der neuen Völker verschob sich das politische Gleichgewicht. Während sich die Drachen in die unerforschten Gebiete Khorons zurückzogen, genossen die Kleinlinge den Frieden und begannen mit dem Wiederaufbau. Ohne auf nennenswerte Gegenwehr zu stoßen, eroberten die Orks die Insel Tarron im Süden und isolierten sich dort.

Doch auch die Götter standen neuen Herausforderungen gegenüber. Da Menschen und Orks nicht von ihnen geschaffen worden waren, war es den Göttern nicht möglich das Schicksal dieser Völker direkt zu beeinflussen. Um ihre Macht und die Schar ihrer Anhänger zu vergrößern, begannen sie durch ihre Kleriker um die Gunst der neuen Völker zu buhlen.

In dieser Zeit des Umbruchs erlagen die Elfen ihrer zwieträchtigen Natur. Eifersüchtig wand sich der Großteil des Volks von Jelepah ab und entsagte ihrer Göttin. Von Selbstsucht getrieben kümmerten sich die verbleibenden gläubigen Elfen nicht weiter um ihre rebellischen Brüder. Stattdessen wähnten sie sich selbst umso unverzichtbarer für Jelepah. Doch der Zorn der Göttin traf beide Fraktionen gleichermaßen. Die Gläubigen wurden wegen ihrer Arroganz verstoßen und in die Dunkelheit getrieben. Ihre abtrünnigen Brüder wurden ihrer Unsterblichkeit beraubt und bestraft. Bis heute weigern sich die Elfen zu verraten, welche Strafe Ihnen Jelepah auferlegt hat.

Um ihre schwindende Macht erneut zu festigen, ersann die Göttin der Intrige einen neuen Plan. Jelepah verführte ihren Bruder Argon, den sie nach der Verbannung seiner Kinder verwundbar wähnte. In einem Moment der Schwäche erlag Argon den Einflüsterungen seiner Schwester. Gemeinsam schufen sie das Volk der Zwerge. Um nicht mit den anderen Völkern in Konflikt zu geraten siedelte das Götterpaar die Zwerge tief im Gebirge an. Dort konnten sich ihre Kinder ohne Einmischung entfalten. Als Argon die Intrige seiner Schwester durchschaute, verstieß er Jelepah und beendete ihr kurzzeitiges Bündnis.

Die Drachenmutter Chaos erlag in dieser Zeit ihrem fortschreitenden Wahnsinn und zog sich gemeinsam mit Ihren Kindern in den unerforschten Norden des Kontinents zurück. Bis zum heutigen Tag ruht die Göttin irgendwo auf Khoron.


Der Aufstieg der Druiden

Während sich die Orks auf die Insel Tarron zurückzogen zerstreuten sich die einzelnen Menschen-Stämme in alle Himmelsrichtungen. Die meisten Völker Khorons begegneten den Neuankömmlingen mit Misstrauen und Argwohn und empfingen diese nicht gerade mit offenen Armen. Nur die Kleinlinge im Westen des Kontinents nahmen die Fremden herzlich bei sich auf. Besonders die menschlichen Druiden waren bei den Kleinlingen willkommen, da diese einen ähnlichen Forscherdrang an den Tag legten wie sie selbst.

Die Menschen siedelten sich hauptsächlich in Gebieten an, auf die sonst niemand Anspruch erhob: In den vom Krieg fast völlig zerstörten Landstrichen Khorons, die seit Jahrhunderten nicht mehr bewohnt worden waren. Trotz den widrigen Umständen gedieh das Volk der Menschen und gewann immer mehr an Einfluss. In den Jahrhunderten die folgten entstanden Städte und neue Reiche bildeten sich. Vor allem die Druidenstadt Celestia im Zentrum des Kontinents entwickelte sich zu einer blühenden Metropole.

Die Druiden von Celestia erforschten unablässig das Gefüge der Welt. Sie entdeckten den Astralraum und wie man sich die fünf Elemente zunutze machen konnte. Dadurch gelten sie als Begründer dessen, was wir heute als Zauberei kennen.

Nach und nach begannen die Druiden die Schöpfung der Götter zu verstehen, zu durchschauen und schließlich… zu beeinflussen. Sie erschufen Chimären, Mischwesen, in dem sie zwei oder mehrere Kreaturen zu einer verschmolzen. Doch damit nicht genug. Die Forschungen der Druiden brachten auch gänzlich neue Kreaturen hervor. Die insektoiden Rak-Tahreen wurden als Arbeiter und Späher für das expandierende Reich gezüchtet. Und die skorpionartigen Rachmanen wurden als Krieger und Wächter erschaffen.

In jener Zeit wandte sich die Göttin Sarestra selbst an Ihre treuesten Kleriker und warnte sie vor dem was kommen mochte, sollten die Druiden weiter auf ihren ketzerischen Pfaden wandeln. Die Erscheinung der Göttin verbreitete sich wie ein Lauffeuer unter den Gläubigen. Die obersten Kleriker der vier Götter reisten nach Celestia um vor dem Rat der Druiden zu sprechen, doch ihren Warnungen wurde kein Gehör geschenkt. Immer mehr Kleriker und Gläubige versammelten sich in Celestia und die friedlichen Kundgebungen wurden schon bald zu wütenden Protesten. Um eine offene Rebellion oder einen Bürgerkrieg im Keim zu ersticken, wurde die Religion der vier Götter im Druidenreich verboten. Kleriker wurden unter Androhung schwerer Strafen aus dem Reich verbannt. Rak-Tahreen und Rachmanen-Trupps erhielten den Befehl die verbliebenen Kleriker in Celestia aufzuspüren und gefangen zu nehmen.

Die Kleriker sorgten sich um die Welt und suchten nach einem Weg um die Götter milde zu stimmen. Und wenn das ketzerische Treiben der Druiden tatsächlich die Vernichtung Khorons bedeuten sollte, dann wollten die Kleriker ihren Göttern zumindest nahe sein, wenn das Ende kam. Nach und nach verschwanden die Kleriker aus den Dörfern und Städten. Schaarenweise pilgerten sie nach Südosten, wo die Elfen ihnen eine kleine Insel überlassen hatten. In den folgenden Jahren errichteten die Kleriker dort den Astralturm. Das Fundament des sechseckigen Bauwerks mit seinen steinernen Streben füllte fast die ganze Insel. Das Atoll, welches die Insel umgab wurde zu einem großen Teil abgetragen. Jeder Stein wurde im Namen der vier Götter gesegnet. Der Turm war erfüllt von göttlicher Energie und wuchs schneller, als es irgendjemand für möglich gehalten hätte. Und die Kleriker bauten unablässig weiter – auch als die Steine langsam begannen durchsichtig zu werden.

Keiner kann heute noch sagen wie hoch der Turm war, als sich der Himmel verfinsterte und die Kleriker Khoron verließen


Die Rache der Götter

Zwischen dem Einsetzen der Finsternis und dem Einschlag vergingen nur Minuten. Manche sagen heute, dass Zaruthes’ Finger die Welt berührt hat. Andere glauben, Argons Schwert hätte Khoron getroffen. Was es auch war, es stürzte die Welt ins Chaos. Die Stadt Celestia wurde innerhalb von Augenblicken ausgelöscht. Der Kontinent wurde von schweren Erdbeben erschüttert. Wo einst das Herz des Druidenreichs lag, ragte nun eine schwarze, hässliche Rauchsäule empor und verfinsterte die Sonne. Asche fiel vom Himmel und bedeckte den Boden wie grauer Schnee. Und dann kam die Kälte. Die Zeit, die der Rache der Götter folgte, wird heute oft die “Kalte Nacht” genannt. Eis und Schnee legten sich über die Welt. Trübes, kränkliches Zwielicht wechselte sich mit absoluter Finsternis ab.

Selbsternannte Seher und falsche Kleriker prophezeiten den Weltuntergang und die Bevölkerung wurde von Panik erfasst. Schon bald kam es zu Plünderungen und es entbrannten erbitterte Kämpfe um Ressourcen und Nahrung. Regierungen zerbrachen und das Volk stürzte in die Anarchie. Nur die Zwerge hielten stand und verbarrikadierten sich in Ihren Hallen aus Stein. Das Flehen um Hilfe und Zuflucht ließen sie ungehört verhallen – so wie die Faustschläge an die Tore des Zwergenreichs in den gewundenen Tunneln verhallten.

Während die Menschen, Elfen und Kleinlinge der Barbarei verfielen und sich in zahllosen Bürgerkriegen selbst zerfleischten schlugen die letzten verbliebenen Zauberer eine verzweifelte Schlacht gegen die Elemente, die sie so lange zu beherrschen geglaubt hatten. Mit Wind, Feuer, Erde und Wasser versuchten Sie die schwarzen Aschewolken zu vertreiben, den Boden urbar zu halten und dem Frost zu trotzen. Gemeinsam mit den Meistern der Schatten wurde sogar versucht die Menschen selbst zu verändern um sie unempfindlich gegen die Kälte zu machen. Ganze Städte ließen diese Verwandlung über sich ergehen, obwohl der Vorgang äußerst schmerzhaft war und die Haut sich dabei dauerhaft kränklich blau verfärbte. Diese Eisbarbaren, wie sie sich nannten, hatten aufgrund ihrer Unempfindlichkeit gegen die Kälte einen entscheidenden taktischen Vorteil und errangen in den Kämpfen um Nahrung rasch die Oberhand.

Die Götter verfolgten das Geschehen auf Khoron sehr zwiegespalten. Argon genoss die verzweifelt geführten Konflikte und auch Sarestra erschien diese Bestrafung anfangs gerecht, für den Frevel der an den Göttern begangen worden war. Doch Hecas und Jelepah gelang es, ihre Schwester umzustimmen. Da alle Druiden ihre Strafe erhalten hatten, gab es keinen Grund mehr das Volk weiter zu quälen. Obwohl Argon die Welt in blutigen Kriegen untergehen lassen wollte, musste er sich doch der Mehrheitsentscheidung seiner Geschwister beugen.

Langsam öffnete sich die dichte Wolkendecke über Khoron. Die Sonne erhellte die gefrorene Welt aufs Neue und ließ Schnee und Eis allmählich schmelzen. Die Eisbarbaren litten unter dem Tauwetter, da sie an Temperaturen unter null angepasst worden waren. Als zahlreiche Versuche einer Rückverwandlung scheiterten, flohen die Eisbarbaren ins Hochgebirge auf den Rand der Welt.

Uns so verstrich die “Kalte Nacht” und die Welt sah einem neuen Tag entgegen. Was zurück blieb, war eine Narbe, die Khorons Gesicht für alle Zeit prägen und die Völker an die Allmacht der Götter erinnern sollte: Ein gewaltiger Krater im Zentrum des Kontinents, wo einst Celestia gelegen hatte.

Durch die Schneeschmelze füllte sich der Krater im Laufe der Zeit mit Wasser und bildete ein Binnenmeer – einen gewaltigen See, der heute als Sternenspiegel bekannt ist.

Khoron war nur knapp seiner Vernichtung entgangen. Die Völker waren geschwächt und zerrissen. Durch die gnadenlosen Kämpfe hatte sich eine Kluft aus Hass und Misstrauen zwischen Menschen, Elfen, Zwergen und Kleinlingen aufgetan.

In dieser Zeit der Entzweiung regte sich weit im Norden eine alte Macht, die lange geruht und auf ihre Chance gewartet hat…


Ruhe vor dem Sturm

Jahrhunderte der Kriege und Vernichtung waren nicht spurlos vorüber gegangen. Die Gräuel der “Kalten Nacht” hatten die Völker gezeichnet und tiefe Wunden hinterlassen. Khoron war zu einem düsteren Ort geworden. Das Leben war härter und gefährlicher denn je. Denn mit dem Verschwinden der Kleriker war auch die Kunst der magischen Heilung verloren gegangen. Die Wildnis hatte einen großen Teil der Welt zurück gefordert und nur noch Ruinen zeugten von den einst mächtigen Reichen des alten Khoron. Bisher unbekannte Kreaturen strebten ans Licht und durchstreiften das Land – Einige von Ihnen so grotesk, das sie nur den Laboratorien der Druiden entsprungen sein konnten.

Im Nordwesten des Kontinents hatte sich ein Teil der Landmasse gehoben und ein nebliges, sumpfiges Hochplateau am Fuß der Berge gebildet. Reisende berichteten von aufrecht gehenden Echsen, die dieses Gebiet für sich beanspruchten und mit Waffengewalt gegen andere verteidigten.

Über ganz Khoron hing ein drohender Schatten der Angst. Die Welt schien den Atem anzuhalten.

Kleinlinge und Elfen arbeiteten verbissen am Wiederaufbau. Die gemeinsamen Anstrengungen, ihre Reiche wieder erstehen zu lassen, einten die beiden Völker und brachten einen Funken Hoffnung in diese trostlose Zeit.

Die Menschen hatten jedoch einen Schlag erlitten, von dem sie sich niemals erholen sollten. Das Volk war zerrissen und würde nie wieder zu seinem alten Glanz zurückfinden. Der Südwesten des Landes war unwiederbringlich der Barbarei verfallen und die verbliebenen zivilisierten Gebiete waren durch den Sternenspiegel entzweit. Im Westen – der heutigen Provinz Vestmer – wurde schließlich schleppend mit dem Wiederaufbau begonnen.

In dieser düsteren Zeit war das Bedürfnis nach Führung und Sicherheit größer denn je. Die Menschen des Ostens wandten sich wieder ihren Wurzeln zu – Der Zeit, bevor die Menschen nach Khoron gekommen waren. Die verbliebenen Ruinen des Druidenreichs wurden zerstört und ein neues Reich wurde errichtet – entsprechend dem Vorbild und der Traditionen der “Alten Welt”. Innerhalb weniger Jahre vereinten sich die Menschen des Ostens unter einem gemeinsamen Kaiser und das “Östliche Imperium” wurde ausgerufen.

Im Südwesten hatte ein junger Barbar eine Erscheinung. Auf einem Berg an den Ausläufern der Steppe sprach eine Stimme zu ihm und prophezeite im die Vernichtung der Welt durch die zerstörerische Macht der Magie. Die Nachricht von dieser Prophezeiung verbreitete sich unter den Barbarenstämmen wie ein Lauffeuer. Immer mehr Menschen pilgerten zum “Sprechenden Berg” und errichteten auf dem Gipfel sogar einen Tempel für das körperlose Orakel. Und tatsächlich offenbarte sich die Stimme aufs Neue und warnte davor, dass die Völker Khorons durch den Einsatz von Magie das Ende der Welt herbeiführen würden. In den Jahren die folgten entstand eine verteidigte Siedlung um den Tempel, die schon bald zu einer Festung ausgebaut wurde. Die Jünger des Orakels entwuchsen unter dessen Führung der Barbarei und organisierten sich in einer Art Ritterorden. Die “Ritter des Tempels” besetzen bis heute das Gebiet um den Sprechenden Berg – eine unabhängige Enklave innerhalb des südwestlichen Menschenreichs. Diese Entwicklung blieb natürlich nicht ohne Folgen. In der Provinz Vestmer bildete sich ein weiterer Ritterorden, der sich den Lehren der vier Götter verschrieb: “Argons Legion” – der Orden der Paladine.

Doch in den Gassen und Straßen der Städte sprach niemand von sprechenden Bergen oder Ritterorden. Stattdessen munkelte man hinter vorgehaltener Hand über “Die Hydra”. Viele Gerüchte rankten sich um diesen Geheimbund. Manche erzählten von einem religiösen Kult, der den Dämonen der Urzeit huldigte. Andere berichteten von einer Gilde von Attentätern, die in den Schatten agierte und die Geschicke der Welt aus dem Verborgenen lenkte. Besonders abenteuerliche Berichte sprachen von einer Gruppe aus Gestaltwandlern, die langsam aber sicher wichtige politische Positionen einnahmen. Egal was davon zutraf oder frei erfunden war – Die Angst und das Misstrauen in der Bevölkerung wuchsen weiter.

Und dann kamen die Drachen…


Das Zeitalter der Drachen

Während über Khoron die „Kalte Nacht“ hereingebrochen war, sahen sich die Zwerge im Inneren des Rands der Welt einer anderen Bedrohung gegenüber: Eine wilde Meute unbekannter Kreaturen war an mehreren Stellen in die nördlichen Tunnel des Zwergenreichs eingedrungen und hatte einige Vorposten und kleinere Städte angegriffen. Was als eine Reihe von Überfällen begann, wurde rasch zu einer regelrechten Invasion. Immer mehr dieser grünäugigen Kreaturen, die sich selbst „Avulsoren“ nannten, drängten in die Stollen. Gnadenlos vernichteten sie jeden, der sich ihnen in den Weg stellte. Die Zwerge formierten sich und bildeten eine hart umkämpfte Frontlinie tief im Berg.
Jahre des Krieges verstrichen, während sich die Welt langsam von der verheerenden Eiszeit erholte. Doch so tapfer die Zwerge auch kämpften, so mussten sie letztendlich immer weiter vor der erdrückenden Übermacht zurück weichen.

Während im Rand der Welt ein verzweifelter Verzögerungskrieg geführt wurde, entsandte der Zwergenkönig Brannok Bluthammer zahlreiche Boten nach Süden. Gemeinsam mit einem immer größer werdenden Strom von Flüchtlingen erreichten die Abgesandten die Städte der Menschen und Kleinlinge. Manche drangen sogar bin ins Waldreich der Elfen vor. Doch die Bitten um Unterstützung stießen auf taube Ohren. Die Wunden der „Kalten Nacht“ saßen noch zu tief und niemand hatte vergessen, wie die Zwerge sich in ihren steinernen Hallen verbarrikadiert und jede Hilfe verweigert hatten.

Als immer mehr seiner Abgesandten mit schlechter Kunde zurückkehrten, musste König Bluthammer der Wahrheit ins Gesicht sehen: Niemand würde den Zwergen zu Hilfe kommen. Also tat er das Einzige, das ihm noch übrig blieb, um sein vom Krieg gezeichnetes Volk zu retten. Er kapitulierte bedingungslos. Damit war der Weg durch den Rand der Welt frei. Und an der Spitze eines Heeres aus Avulsoren kehrten die Drachen nach Khoron zurück.

Die Eroberung des Kontinents hatte begonnen. Und die geschwächten und verängstigten Völker Khorons hatten der Drachenarmee nichts entgegen zu setzen. Auch wenn hier und da Widerstand geleistet wurde, so reichte meist ein Blick auf die geschuppten Riesenechsen aus, um eine Stadt zur Kapitulation zu zwingen. Nach einem Monat war der Norden des Kontinents unter der Kontrolle der Drachen. Die Reiche südlich des Sternenspiegels folgten eines nach dem anderen.

Aber die Drachen errangen keinen vollständigen Sieg. Die Insel Tarron wurde von den Orks verbissen verteidigt und selbst die Macht der Blauen Drachen reichte nicht aus, um einen Brückenkopf auf Tarron zu errichten. Nach einigen verlustreichen Schlachten gaben sich die Drachen damit zufrieden, die Insel zu isolieren. Ein Sieg für die Orks, die sich ohnehin bereits seit Jahrhunderten von der Außenwelt abschirmten.

Aber auch am Festland hatten die Drachen Verluste zu verzeichnen. Obwohl die Barbarenlande südlich der Provinz Vestmer erobert waren, führten die Ritter des Tempels einen erbitterten Guerillakrieg gegen die Besatzer. Trainiert um gegen Feinde zu kämpfen, die sich hauptsächlich auf Magie verließen, fügten die Templer den Drachen einige Verluste zu. Die Schuppen der gefallenen Riesenechsen wurde von den Rittern sogar für die Herstellung von Rüstungen verwendet.

Doch trotz dieser kleinen Rückschläge waren die Drachen die neuen Herren Khorons. Und sie regierten das Land mit eiserner Faust. Ausgangssperren wurden verhängt und Versammlungsverbote wurden erlassen. Das Führen von Waffen in Städten wurde untersagt. Bibliotheken und Archive wurden „gesäubert“ in dem man aufrührerische Schriften einfach verbrannte. Wer gegen die strengen Gesetze der Drachen verstieß, wurde ohne Prozess öffentlich hingerichtet.

Ein neues Zeitalter war angebrochen. Nach Jahrhunderten des Kriegs und des Leids hatte Khoron unter der Knute der Drachen letztendlich Frieden gefunden.

Aber zu welchem Preis?

Es folgt: “Das Schicksal der Welt”

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